1st Note

Digitalpiano-Glossar — Fachbegriffe einfach erklärt

Beim Digitalpiano-Kauf trifft man schnell auf eine Flut von Fachbegriffen. Dieses Glossar erklärt die Konzepte, denen Sie in Datenblättern und Tests begegnen, in klarer Sprache — für alle, die ihr erstes oder nächstes Piano auswählen.

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Tasten & Mechanik

Gewichtete Tasten
Tasten, die dem Fingerdruck so widerstehen wie die eines akustischen Klaviers. Unverzichtbar für den Aufbau einer Klaviertechnik. Digitalpianos erreichen dies mit kleinen Gewichten oder einer Hammermechanik unter jeder Taste.
Abgestufte Hammermechanik (Graded Hammer)
Gewichtete Tasten, bei denen die Basstasten schwerer sind als die Diskanttasten — derselbe Verlauf wie beim akustischen Flügel. Der Standard für jedes Piano, das ernsthaftem Üben dienen soll.
Halbgewichtet
Tasten mit leichter Feder und einem kleinen Gewicht, aber ohne Hammermechanik. Schwerer als ein Synth, deutlich leichter als ein echtes Klavier. Üblich auf Arrangern und Einsteiger-Workstations, für klassisches Üben nicht geeignet.
Auslösung (Let-off)
Ein leichter Widerstand auf halbem Weg beim Anschlag eines Flügels — der Moment, in dem der Hammer sich von der Mechanik löst. Hochwertige Digitalmechaniken simulieren dies für einen authentischeren Anschlag; vor allem für klassisches Repertoire relevant.
Elfenbein-/Ebenholz-Oberfläche
Fein strukturierte Tastenoberfläche, die Fingerfeuchtigkeit aufnimmt und den Griff verbessert — eine Imitation der echten Elfenbein- und Ebenholz-Tastenbeläge älterer Klaviere.
Anschlagdynamik (Velocity)
Wie stark das Piano auf unterschiedlich kräftigen Anschlag reagiert — laut beim starken Anschlag, leise beim sanften. In der Regel in mehreren Stufen einstellbar.
Drei-Sensor-Erkennung
Drei Sensoren entlang des Tastenwegs erfassen feinere Bewegungen, besonders bei schnellen Repetitionen. In hochwertigen Mechaniken verbaut; Einsteigermodelle nutzen meist zwei Sensoren.
88 / 76 / 61 / 49 Tasten
88 Tasten decken den vollen Umfang eines akustischen Klaviers ab und gelten als Standard für ernsthaftes Üben. 76 Tasten reichen für das meiste populäre und klassische Repertoire. 61 Tasten ist Keyboard-Standard. 49 Tasten sind Mini-Format und nur für Einsteiger oder sehr kompakte Setups geeignet.

Klang & Voicing

Polyphonie
Die maximale Zahl gleichzeitig erzeugter Töne — inklusive ausklingender Noten und Hallfahnen. 128 Stimmen genügen den meisten Spielern; 192–256 sind auf höherklassigen Modellen üblich.
PCM-Sampling
Echte Aufnahmen akustischer Noten werden im Piano gespeichert und bei jedem Tastenanschlag abgespielt. Die gebräuchlichste Klangerzeugung. Qualität und Umfang der Samples variieren stark.
Physical Modeling (Klangmodellierung)
Das Piano berechnet jeden Ton in Echtzeit anhand eines mathematischen Modells eines echten Instruments, statt Samples abzuspielen. Dynamischer in der Reaktion — eingesetzt in Roland SuperNATURAL, Kawai Harmonic Imaging XL und ähnlichen Engines.
Saitenresonanz
Simuliert, wie Saiten eines akustischen Klaviers sympathisch mitschwingen, wenn andere Töne gespielt werden. Verleiht dem Klang Tiefe und Realismus. Meist in mehreren Stufen regelbar.
Dämpferresonanz
Das breite Mitschwingen offener Saiten beim Halten des Sustain-Pedals, wie beim akustischen Klavier. Gute Umsetzungen bringen hörbare Unterschiede; günstige sind dezent.
Key-off-Samples
Das leise Geräusch, wenn ein Dämpfer nach Loslassen der Taste zur Saite zurückkehrt. Zu finden auf höherwertigen Pianos; trägt zu einem natürlichen, fertig wirkenden Klang bei.
Reverb (Hall)
Verleiht dem Klang räumliche Tiefe — Zimmer, Saal, Kathedrale. Die meisten Pianos bieten mehrere Hallarten mit einstellbarer Tiefe.
Chorus
Überlagert den Klang mit leicht verstimmten Kopien, um ihn voller und schwebender zu machen. Häufig auf E-Pianos, Streichern und Flächenklängen; bei Akustikklavierklängen selten eingesetzt.

Pedale

Sustain-Pedal (Dämpferpedal)
Das rechte Pedal. Hält Töne, nachdem die Tasten losgelassen wurden, indem es die simulierten Dämpfer anhebt. Das eine Pedal, das jedes Piano braucht.
Soft-Pedal (Una Corda)
Das linke Pedal einer Dreierkombination. Macht den Klang weicher, indem der Hammer wie beim Flügel verschoben wird. Für bestimmte klassische Werke notwendig.
Sostenuto-Pedal
Das mittlere Pedal. Hält nur die Töne, die beim Tritt gerade gedrückt sind — nützlich, um Basstöne zu halten und darüber eine Melodie zu spielen. In Digitalpianos seltener zu finden.
Halbpedal
Ein nur teilweises Treten des Sustain-Pedals für feine Abstufungen der Dämpferkontrolle. Funktioniert nur mit stufenlosen Pedalen, nicht mit einfachen On/Off-Schaltern.
Stufenloses Pedal
Ein Sustain-Pedal, das erkennt, wie weit es niedergedrückt wird — Voraussetzung für Halbpedal. Die besseren mitgelieferten Pedale ab Mittelklasse sind stufenlos.

Anschlüsse

USB MIDI
Ein USB-Kabel überträgt MIDI-Daten zwischen Piano und Computer oder Tablet. Für Lern-Apps, Notensoftware und DAWs. Universell unterstützt, keine Latenzprobleme.
Bluetooth MIDI
Drahtloses MIDI zu Telefon oder Tablet für Apps wie Flowkey, Simply Piano oder GarageBand. Bequem; geringfügig höhere Latenz als USB, meist aber nicht wahrnehmbar.
Bluetooth Audio
Streamt Musik vom Telefon über die Piano-Lautsprecher — Mitspielen zu Songs, YouTube-Tutorials folgen. Andere Funktion als Bluetooth MIDI; Pianos bieten oft nur eines von beiden.
Line-Out
Stereo- (oder Mono-) Ausgang, um das Signal des Pianos an Mischpult, Verstärker, Audio-Interface oder Aufnahmegerät zu senden. Für Bühne und Studio unverzichtbar.
Aux-In (Audio-Eingang)
Stereo-Eingang, um externes Audio (Telefon, Tablet, Backing-Track) zusammen mit dem Piano-Klang über die eigenen Lautsprecher zu spielen. Praktisch zum Üben mit Aufnahmen.

Funktionen & Leistung

Dual- / Layer-Modus
Spielt zwei Klänge gleichzeitig über die gesamte Tastatur — z. B. Klavier + Streicher. Ideal für Balladen; verbraucht mehr Polyphonie.
Split-Modus
Weist der unteren und oberen Tastaturhälfte unterschiedliche Klänge zu — etwa Bass links, Klavier rechts. Der Trennpunkt ist meist frei wählbar.
Duo- / Duett-Modus
Teilt die Tastatur in zwei identische Bereiche derselben Oktavlage, damit Lehrer und Schüler nebeneinander denselben Part spielen können. Eine hervorragende Funktion für den Heimunterricht.
Transposition
Verschiebt die Tonhöhe der gesamten Tastatur in Halbtonschritten nach oben oder unten — Sie spielen in einer Tonart, während das Instrument in einer anderen klingt. Praktisch beim Begleiten von Sängerinnen und Sängern.
Metronom
Eingebauter Taktgeber für Übungen mit gleichmäßigem Tempo. BPM und Taktart sind auf den meisten Modellen einstellbar.
Übungs- / Lernfunktion
Integrierte Stücke, getrennt in linken und rechten Part — eine Hand lässt sich stummschalten, um mitzuspielen. Yamaha- und Casio-Modelle sind hier besonders stark.
Aufnahmefunktion
Speichert Ihr Spiel als MIDI-Daten (bei manchen Modellen auch als Audio). Ideal zur Selbstkontrolle oder zum Übereinanderlegen mehrerer Stimmen. Spurenzahl: 1 bis 16 je nach Modell.
UVP vs. Straßenpreis
Der UVP (unverbindliche Preisempfehlung) ist der gelistete Preis des Herstellers. Der tatsächliche Straßenpreis im Handel liegt oft 10–30 % darunter. Beim Budgetieren beide beachten.

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