Digitalpiano-Glossar — Fachbegriffe einfach erklärt
Beim Digitalpiano-Kauf trifft man schnell auf eine Flut von Fachbegriffen. Dieses Glossar erklärt die Konzepte, denen Sie in Datenblättern und Tests begegnen, in klarer Sprache — für alle, die ihr erstes oder nächstes Piano auswählen.
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Tasten & Mechanik
- Gewichtete Tasten
- Tasten, die dem Fingerdruck so widerstehen wie die eines akustischen Klaviers. Unverzichtbar für den Aufbau einer Klaviertechnik. Digitalpianos erreichen dies mit kleinen Gewichten oder einer Hammermechanik unter jeder Taste.
- Abgestufte Hammermechanik (Graded Hammer)
- Gewichtete Tasten, bei denen die Basstasten schwerer sind als die Diskanttasten — derselbe Verlauf wie beim akustischen Flügel. Der Standard für jedes Piano, das ernsthaftem Üben dienen soll.
- Halbgewichtet
- Tasten mit leichter Feder und einem kleinen Gewicht, aber ohne Hammermechanik. Schwerer als ein Synth, deutlich leichter als ein echtes Klavier. Üblich auf Arrangern und Einsteiger-Workstations, für klassisches Üben nicht geeignet.
- Auslösung (Let-off)
- Ein leichter Widerstand auf halbem Weg beim Anschlag eines Flügels — der Moment, in dem der Hammer sich von der Mechanik löst. Hochwertige Digitalmechaniken simulieren dies für einen authentischeren Anschlag; vor allem für klassisches Repertoire relevant.
- Elfenbein-/Ebenholz-Oberfläche
- Fein strukturierte Tastenoberfläche, die Fingerfeuchtigkeit aufnimmt und den Griff verbessert — eine Imitation der echten Elfenbein- und Ebenholz-Tastenbeläge älterer Klaviere.
- Anschlagdynamik (Velocity)
- Wie stark das Piano auf unterschiedlich kräftigen Anschlag reagiert — laut beim starken Anschlag, leise beim sanften. In der Regel in mehreren Stufen einstellbar.
- Drei-Sensor-Erkennung
- Drei Sensoren entlang des Tastenwegs erfassen feinere Bewegungen, besonders bei schnellen Repetitionen. In hochwertigen Mechaniken verbaut; Einsteigermodelle nutzen meist zwei Sensoren.
- 88 / 76 / 61 / 49 Tasten
- 88 Tasten decken den vollen Umfang eines akustischen Klaviers ab und gelten als Standard für ernsthaftes Üben. 76 Tasten reichen für das meiste populäre und klassische Repertoire. 61 Tasten ist Keyboard-Standard. 49 Tasten sind Mini-Format und nur für Einsteiger oder sehr kompakte Setups geeignet.
Klang & Voicing
- Polyphonie
- Die maximale Zahl gleichzeitig erzeugter Töne — inklusive ausklingender Noten und Hallfahnen. 128 Stimmen genügen den meisten Spielern; 192–256 sind auf höherklassigen Modellen üblich.
- PCM-Sampling
- Echte Aufnahmen akustischer Noten werden im Piano gespeichert und bei jedem Tastenanschlag abgespielt. Die gebräuchlichste Klangerzeugung. Qualität und Umfang der Samples variieren stark.
- Physical Modeling (Klangmodellierung)
- Das Piano berechnet jeden Ton in Echtzeit anhand eines mathematischen Modells eines echten Instruments, statt Samples abzuspielen. Dynamischer in der Reaktion — eingesetzt in Roland SuperNATURAL, Kawai Harmonic Imaging XL und ähnlichen Engines.
- Saitenresonanz
- Simuliert, wie Saiten eines akustischen Klaviers sympathisch mitschwingen, wenn andere Töne gespielt werden. Verleiht dem Klang Tiefe und Realismus. Meist in mehreren Stufen regelbar.
- Dämpferresonanz
- Das breite Mitschwingen offener Saiten beim Halten des Sustain-Pedals, wie beim akustischen Klavier. Gute Umsetzungen bringen hörbare Unterschiede; günstige sind dezent.
- Key-off-Samples
- Das leise Geräusch, wenn ein Dämpfer nach Loslassen der Taste zur Saite zurückkehrt. Zu finden auf höherwertigen Pianos; trägt zu einem natürlichen, fertig wirkenden Klang bei.
- Reverb (Hall)
- Verleiht dem Klang räumliche Tiefe — Zimmer, Saal, Kathedrale. Die meisten Pianos bieten mehrere Hallarten mit einstellbarer Tiefe.
- Chorus
- Überlagert den Klang mit leicht verstimmten Kopien, um ihn voller und schwebender zu machen. Häufig auf E-Pianos, Streichern und Flächenklängen; bei Akustikklavierklängen selten eingesetzt.
Pedale
- Sustain-Pedal (Dämpferpedal)
- Das rechte Pedal. Hält Töne, nachdem die Tasten losgelassen wurden, indem es die simulierten Dämpfer anhebt. Das eine Pedal, das jedes Piano braucht.
- Soft-Pedal (Una Corda)
- Das linke Pedal einer Dreierkombination. Macht den Klang weicher, indem der Hammer wie beim Flügel verschoben wird. Für bestimmte klassische Werke notwendig.
- Sostenuto-Pedal
- Das mittlere Pedal. Hält nur die Töne, die beim Tritt gerade gedrückt sind — nützlich, um Basstöne zu halten und darüber eine Melodie zu spielen. In Digitalpianos seltener zu finden.
- Halbpedal
- Ein nur teilweises Treten des Sustain-Pedals für feine Abstufungen der Dämpferkontrolle. Funktioniert nur mit stufenlosen Pedalen, nicht mit einfachen On/Off-Schaltern.
- Stufenloses Pedal
- Ein Sustain-Pedal, das erkennt, wie weit es niedergedrückt wird — Voraussetzung für Halbpedal. Die besseren mitgelieferten Pedale ab Mittelklasse sind stufenlos.
Anschlüsse
- USB MIDI
- Ein USB-Kabel überträgt MIDI-Daten zwischen Piano und Computer oder Tablet. Für Lern-Apps, Notensoftware und DAWs. Universell unterstützt, keine Latenzprobleme.
- Bluetooth MIDI
- Drahtloses MIDI zu Telefon oder Tablet für Apps wie Flowkey, Simply Piano oder GarageBand. Bequem; geringfügig höhere Latenz als USB, meist aber nicht wahrnehmbar.
- Bluetooth Audio
- Streamt Musik vom Telefon über die Piano-Lautsprecher — Mitspielen zu Songs, YouTube-Tutorials folgen. Andere Funktion als Bluetooth MIDI; Pianos bieten oft nur eines von beiden.
- Line-Out
- Stereo- (oder Mono-) Ausgang, um das Signal des Pianos an Mischpult, Verstärker, Audio-Interface oder Aufnahmegerät zu senden. Für Bühne und Studio unverzichtbar.
- Aux-In (Audio-Eingang)
- Stereo-Eingang, um externes Audio (Telefon, Tablet, Backing-Track) zusammen mit dem Piano-Klang über die eigenen Lautsprecher zu spielen. Praktisch zum Üben mit Aufnahmen.
Funktionen & Leistung
- Dual- / Layer-Modus
- Spielt zwei Klänge gleichzeitig über die gesamte Tastatur — z. B. Klavier + Streicher. Ideal für Balladen; verbraucht mehr Polyphonie.
- Split-Modus
- Weist der unteren und oberen Tastaturhälfte unterschiedliche Klänge zu — etwa Bass links, Klavier rechts. Der Trennpunkt ist meist frei wählbar.
- Duo- / Duett-Modus
- Teilt die Tastatur in zwei identische Bereiche derselben Oktavlage, damit Lehrer und Schüler nebeneinander denselben Part spielen können. Eine hervorragende Funktion für den Heimunterricht.
- Transposition
- Verschiebt die Tonhöhe der gesamten Tastatur in Halbtonschritten nach oben oder unten — Sie spielen in einer Tonart, während das Instrument in einer anderen klingt. Praktisch beim Begleiten von Sängerinnen und Sängern.
- Metronom
- Eingebauter Taktgeber für Übungen mit gleichmäßigem Tempo. BPM und Taktart sind auf den meisten Modellen einstellbar.
- Übungs- / Lernfunktion
- Integrierte Stücke, getrennt in linken und rechten Part — eine Hand lässt sich stummschalten, um mitzuspielen. Yamaha- und Casio-Modelle sind hier besonders stark.
- Aufnahmefunktion
- Speichert Ihr Spiel als MIDI-Daten (bei manchen Modellen auch als Audio). Ideal zur Selbstkontrolle oder zum Übereinanderlegen mehrerer Stimmen. Spurenzahl: 1 bis 16 je nach Modell.
- UVP vs. Straßenpreis
- Der UVP (unverbindliche Preisempfehlung) ist der gelistete Preis des Herstellers. Der tatsächliche Straßenpreis im Handel liegt oft 10–30 % darunter. Beim Budgetieren beide beachten.