Auf dem Papier fast dasselbe Klavier

Das Casio CDP-S110 und das Yamaha P-145 sind die beiden Standardantworten auf den Wunsch „ein echtes Digitalpiano mit 88 Tasten, aber ohne viel Geld auszugeben". Preislich liegen sie wenige Prozent auseinander, und erstaunlich viel des Datenblatts ist identisch: 88 Tasten, jeweils zehn Klangfarben, jeweils 64-stimmige Polyphonie, ein Dämpferpedal im Karton und kein Ständer.

Sie trennen sich bei der Tastatur, den Abmessungen und den Lautsprechern. Bei den Abmessungen ist der Abstand deutlich, bei den Lautsprechern schmal, und die Tastatur ist das, was Sie täglich berühren.

Ein Wort zur Methode: Dies ist ein Vergleich auf Basis veröffentlichter Spezifikationen. Wir haben die beiden nicht nebeneinander gespielt und urteilen daher nicht über das Spielgefühl.

Die Mechanik, und warum eine Zahl das nicht entscheidet

Das CDP-S110 nutzt Casios Scaled Hammer Action II mit einer Oberfläche in Ebenholz- und Elfenbein-Optik. Das P-145 nutzt Yamahas Graded Hammer Compact, meist GHC abgekürzt, mit matter Oberfläche.

Auf unserer aus Spezifikationen abgeleiteten Skala steht das Casio eine Stufe über dem Yamaha. Diese Zahl stammt aus veröffentlichten Konstruktionsangaben, nicht aus dem Spielen, und eine Stufe ist keine Kluft — die strukturierte Tastenoberfläche ist in dieser Preisklasse jedoch ein realer, nachprüfbarer Unterschied, denn meist findet man hier schlichten Kunststoff.

Dem gegenüber steht, dass GHC eine echte gewichtungsgestufte Yamaha-Mechanik ist: im Bass schwerer, im Diskant leichter, in verkürzter Bauform. Wer später auf ein akustisches Klavier oder ein Yamaha-Standmodell wechseln will, bleibt manchmal bewusst im Anschlagsgefühl eines Herstellers. Das ist ein legitimer Grund für das P-145, und kein Datenblatt wird ihn entkräften.

Größe: Das Casio ist das schlankere Instrument

Beide sind rund 132 cm breit und wiegen zwischen 10,5 und 11,1 kg — in Breite und Gewicht also austauschbar. Bei Tiefe und Höhe liegt das Casio vorn.

Das CDP-S110 ist 232 mm tief und 99 mm hoch, das P-145 268 mm tief und 129 mm hoch. Das Casio ist damit rund 3,6 cm flacher und 3 cm niedriger. Das ist weniger Abstand, als der Ruf des Casio als besonders flaches Instrument vermuten lässt, doch auf einem schmalen Schreibtisch, auf einem Regal oder zwischen den Übestunden unter Bett oder Sofa geschoben können wenige Zentimeter noch immer entscheiden, ob es passt. Messen Sie den Platz zuerst aus: Hier gibt das Maßband die Antwort, nicht das Datenblatt.

Batteriebetrieb bietet keines von beiden: „portabel" heißt hier leicht genug zum Tragen, nicht unabhängig von der Steckdose.

Lautsprecher und das, was Sie spielen können

Das CDP-S110 gibt 16 Watt über zwei Lautsprecher aus, das P-145 14 Watt über zwei. Der Abstand ist so gering, dass im Wohnzimmer keines der beiden hörbar lauter wirkt; Reserven hat ebenfalls keines, bevor der Klang hart wird. Die Lautsprecherleistung entscheidet diesen Vergleich nicht.

Yamaha antwortet mit eingebautem Repertoire: 21 Stücke gegenüber 10 beim Casio. Das Casio wiederum bietet Layer und Split, was dem P-145 fehlt — beim Casio können Sie also Klavier und Streicher übereinanderlegen oder die Tastatur zum Unterrichten teilen, beim Yamaha nicht.

Beide bieten zehn Klangfarben und 64-stimmige Polyphonie. Vierundsechzig ist die ehrliche Grenze dieser Preisklasse: für das meiste Solorepertoire genügt es, doch bei dichter Akkordschrift mit viel Haltepedal fallen die ältesten Töne weg. Wenn das Ihr Repertoire beschreibt, lautet die Antwort, mehr auszugeben, statt zwischen diesen beiden zu wählen.

Was beide nicht können

Das ist wichtiger als jede einzelne Spezifikation, weil Käufer regelmäßig das Gegenteil annehmen.

Keines von beiden hat Bluetooth — weder Bluetooth Audio noch Bluetooth MIDI. Beide verbinden sich per USB MIDI und arbeiten über dieses Kabel mit der jeweiligen Hersteller-App, aber Sie können keines drahtlos mit einem Telefon koppeln, um zu einem Titel mitzuspielen. Einen Line-Ausgang hat keines, interne Aufnahme ebenso wenig, eine Lernfunktion auch nicht.

Jedes hat eine einzige Kopfhörerbuchse ohne Kopfhöreroptimierung, doch es ist nicht dieselbe Buchse: beim Casio 3,5 mm, beim Yamaha 6,3 mm. Große Kopfhörer enden meist in einem 6,3-mm-Stecker und passen damit direkt ins P-145, während das CDP-S110 einen Adapter braucht; bei In-Ears oder kleinen Kopfhörern mit 3,5-mm-Stecker kehrt sich das um. Zum leisen Üben reicht beides, angenehm ist es nicht; ein Standmodell zum dreifachen Preis ist über eine lange Übeeinheit merklich komfortabler. Und obwohl beide ein Dämpferpedal enthalten, liegt bei keinem ein Ständer bei — den sollten Sie einkalkulieren.

Wer welches kaufen sollte

Kaufen Sie das Casio CDP-S110, wenn der verfügbare Platz wirklich knapp ist. Es ist rund 3,6 cm flacher und 3 cm niedriger, bietet Layer und Split und hat die strukturierte Tastenoberfläche sowie die etwas höhere Anschlagsnote. Auf dem Papier ist es das stärkere der beiden Instrumente, allerdings mit geringerem Abstand, als sein flaches Gehäuse vermuten lässt — und nicht bei der Lautsprecherleistung.

Kaufen Sie das Yamaha P-145, wenn Sie gezielt Yamahas Graded Hammer Compact wollen — weil später ein akustisches Yamaha oder ein Standmodell folgen soll oder weil Sie GHC gespielt und gemocht haben — oder wenn die größere Sammlung eingebauter Stücke zu Ihrer Übepraxis passt. Wer bereits große Kopfhörer besitzt, steckt sie hier dank 6,3-mm-Buchse ohne Adapter ein.

Für die meisten Erstkäufer bleibt das Casio die etwas leichtere Empfehlung, doch die beiden liegen näher beieinander, als es scheint. Das Argument für das Yamaha ist die Mechanik, und genau das sollten Sie mit den eigenen Händen klären statt aus einer Zahlentabelle.