Die neue Generation liegt auf dem Papier gleichauf

Beide Hersteller haben ihr Konsolenpiano der Mittelklasse innerhalb eines Jahres ersetzt. Kawai führt das CX202 auf der globalen Website als aktuelles Modell anstelle des KDP-120, und Yamaha Japan listet das YDP-165 als eingestellt, seit im Juni 2026 das YDP-166 erschienen ist. Beim Vergleich der Vorgänger war Bluetooth ein großer Teil der Entscheidung: Das YDP-165 hatte gar kein Bluetooth, das KDP-120 nur Bluetooth MIDI.

Dieser Unterschied ist verschwunden. Das CX202 und das YDP-166 stimmen in erstaunlich vielen Punkten überein: 88 Tasten, 192 Stimmen Polyphonie, 40 W Verstärkerleistung über zwei 12-cm-Lautsprecher, Bluetooth-Audio und Bluetooth MIDI, zwei Kopfhörerbuchsen, drei Pedale und ein Schiebedeckel. Einen Line-Ausgang hat keines der beiden.

Die Entscheidung hängt deshalb an weniger Punkten als früher: Tastatur, Klangquelle, Kopfhörerbuchsen, Größe und Gewicht sowie Lieferumfang.

Zur Methode: Dies ist ein Vergleich auf Basis der veröffentlichten Datenblätter. Wir haben die beiden Instrumente nicht nebeneinander gespielt. Statt das Spielgefühl zu bewerten, stellen wir dar, was die Hersteller angeben.

Tastatur: Jedes Datenblatt nennt etwas, das das andere nicht nennt

Das CX202 nutzt Kawais Responsive Hammer Compact II. In Japan verkauft Kawai dieselbe Tastatur unter dem Namen Grand Emotional Action Standard (GES); ein abweichender Name in japanischen Angeboten bezeichnet also keine andere Mechanik. Die Hämmer sind nach Tonlage abgestuft, im Bass schwerer und im Diskant leichter. Kawais internationales Datenblatt nennt einen Dreifachsensor, die Tastenoberfläche ist matt.

Das YDP-166 nutzt GrandTouch-E, eine Tastatur, die Yamaha für diese ARIUS-Generation entwickelt hat. Das Datenblatt nennt ein Escapement, also den leichten Druckpunkt, den ein Flügel bei sehr leisem Anschlag kurz vor dem Tastengrund spüren lässt, sowie Tastenoberflächen in Ebenholz- und Elfenbeinoptik. Tastengewichte oder die Zahl der Sensoren veröffentlicht Yamaha nicht.

Kawai gibt also einen Dreifachsensor an, Yamaha ein Escapement. Wie die Tasten unter den Fingern reagieren, verrät keines der beiden Datenblätter. Auf unserer aus den Datenblättern abgeleiteten Anschlagsskala liegt GrandTouch-E eine Stufe über RHC II. Diese Einstufung beruht auf der veröffentlichten Konstruktion, nicht auf eigenem Spielen, und eine Stufe ist kein großer Abstand.

Die unterschiedliche Tastenoberfläche lässt sich im Geschäft in wenigen Sekunden prüfen. Wenn Sie beide Instrumente anspielen können, ist dies der Punkt, den Sie am besten selbst entscheiden.

Klang: zwei Konzertflügel, keine zwei Qualitätsstufen

Der Flügelklang des CX202 basiert auf dem Konzertflügel Shigeru Kawai SK-EX, wiedergegeben mit Harmonic Imaging und Dämpferresonanz. Es stehen 17 Klänge und sechs Halltypen zur Verfügung. Das YDP-166 nutzt das Sample des Yamaha CFX mit VRM-Lite-Resonanz, 10 Klänge und vier Halltypen.

Beide Hersteller greifen auf ihren eigenen Spitzen-Konzertflügel zurück. Der Unterschied liegt daher im Klangcharakter, nicht in der Klasse, und Klangcharakter lässt sich aus keiner Tabelle ablesen. Die sieben zusätzlichen Klänge des Kawai spielen für einen Haushalt, der vor allem Klavier übt, kaum eine Rolle. Wer viele E-Piano- oder Orgelvarianten sucht, findet bei beiden wenig Auswahl.

Lautsprecher: gleiche Leistung, andere Details

Beide geben 20 W × 2 über zwei 12-cm-Lautsprecher aus. Im Wohnzimmer wird keines der beiden deutlich lauter klingen.

Die Unterschiede liegen im Umfeld dieser Leistung. Yamaha hat vor den Lautsprechern des YDP-166 Diffusorgitter angebracht, die laut Hersteller die Höhen gleichmäßiger im Raum verteilen; das verändert die Abstrahlung, nicht die Lautstärke. Für leises Spielen bietet Kawai Low Volume Balance und Yamaha Intelligent Acoustic Control. Beide Funktionen passen den Klang bei geringer Lautstärke an. Die Lautsprecher entscheiden diesen Vergleich nicht.

Kopfhörer und Bluetooth

Beide haben zwei Kopfhörerbuchsen und eine Klangverarbeitung für Kopfhörer (Spatial Headphone Sound mit Auswahl des Kopfhörertyps beim Kawai, Stereophonic Optimizer beim Yamaha). Auf beiden können also zwei Personen leise üben.

Der praktische Unterschied liegt in den Buchsen. Das YDP-166 hat zwei 6,3-mm-Buchsen, das CX202 eine 6,3-mm- und eine 3,5-mm-Buchse. Kopfhörer mit 6,3-mm-Stecker passen an beide. Nutzt die zweite Person In-Ears oder kleine Kopfhörer mit 3,5-mm-Stecker, braucht sie am Kawai keinen Adapter.

Beide unterstützen Bluetooth-Audio, sodass Begleitspuren oder Unterrichtsvideos vom Smartphone oder Tablet über die Lautsprecher des Pianos laufen, und Bluetooth MIDI für Apps: PianoRemote beim Kawai, Smart Pianist beim Yamaha. Ein Hinweis betrifft nur das Yamaha. Das US-Datenblatt kennzeichnet Bluetooth als je nach Region unterschiedlich. Lassen Sie sich daher vom Händler bestätigen, dass das in Ihrem Land verkaufte Gerät Bluetooth besitzt. Das japanische Datenblatt führt Bluetooth ohne diesen Hinweis.

Einen Line-Ausgang hat keines der beiden. Das YDP-166 kann über USB TO HOST als USB-Audio-Interface dienen; das ist der Weg zum Computer oder zur Aufnahme.

Beide haben eine Lernfunktion mit Übungsstücken: Für das CX202 sind 296 eingebaute Stücke angegeben, für das YDP-166 303 Übungsstücke und 50 Klavierklassiker.

Größe, Gewicht und Lieferumfang

Die Stellflächen sind ähnlich. Das CX202 misst 1.365 × 405 × 855 mm, das YDP-166 1.357 × 422 × 849 mm. Das Kawai ist 17 mm weniger tief, Breite und Höhe unterscheiden sich um weniger als einen Zentimeter. Deutlicher trennt sie das Gewicht: 37 kg gegenüber 42 kg. Beide stellt man nicht oft um, aber fünf Kilogramm machen sich auf der Treppe bemerkbar.

Der Lieferumfang hängt vom Markt ab, und hier werden Angebote leicht falsch gelesen. In Japan liegen dem CX202 eine feste Bank und SH-2N-Kopfhörer bei, dem YDP-166 eine höhenverstellbare Bank und Kopfhörer. Außerhalb Japans nennt Kawais globale Seite eine Bank WB-10 und keine Kopfhörer, während Yamahas US-Seite die Bank als regional unterschiedlich kennzeichnet. Prüfen Sie daher das Angebot des Händlers, bevor Sie Preise vergleichen.

Welches Instrument zu Ihnen passt

Wählen Sie das Kawai CX202, wenn Ihnen ein fünf Kilogramm leichteres und etwas weniger tiefes Gehäuse, eine 3,5-mm-Buchse für In-Ears und sieben zusätzliche Klänge wichtig sind oder wenn Ihnen der Klangcharakter des SK-EX zusagt.

Wählen Sie das Yamaha YDP-166, wenn Sie Escapement und Tastenoberflächen in Ebenholz- und Elfenbeinoptik im Datenblatt sehen möchten, den CFX-Klang bevorzugen oder zwei Kopfhörerbuchsen in Standardgröße wünschen. Klären Sie Bluetooth für die regionale Version vor dem Kauf.

Da Bluetooth, Polyphonie und Lautsprecherleistung nun gleichauf liegen, stehen sich diese beiden näher als ihre Vorgänger. Den Ausschlag geben Tastatur und Klangcharakter, und beides beurteilen Sie am besten mit den eigenen Händen. Ist das nicht möglich, reichen die praktischen Punkte (Gewicht, Kopfhörerbuchsen, Lieferumfang) für eine Entscheidung.

Wer eine höherwertige Mechanik, einen Line-Ausgang oder deutlich mehr Klänge sucht, vergleicht besser Kawais CA-Serie oder Yamahas Clavinova-Reihe, statt zwischen diesen beiden zu wählen. Für Restbestände des älteren Yamaha gibt es unseren Vergleich Kawai CN-201 vs Yamaha YDP-165.