Das Casio PX-870 ist das am meisten übersehene Konsolen-Piano der 1.000 €-Klasse – und eine bestimmte Eigenschaft macht es zu einem ernsthaften Kandidaten, bevor Sie sich automatisch für das Kawai entscheiden. Die meisten Käufer kommen mit dem KDP75 bereits auf der Shortlist an: guter Ruf, konstante Empfehlungen, der Name Kawai. Das PX-870 ist in der Diskussion leiser – teils weil Casio noch immer mit günstigen Keyboards assoziiert wird, was auf dieses Produkt nicht zutrifft, und teils weil es von 2017 stammt. Das Instrument selbst ist jedoch in keiner relevanten Hinsicht gealtert.
Das Lautsprechersystem, das den Vergleich verändert
Das Casio PX-870 hat ein 40-Watt-Vierlautsprechersystem. Das Kawai KDP75 hat ein 18-Watt-Zweilautsprechersystem. Beide Pianos kosten 1.000 €.
Das ist kein marginaler Unterschied. Vierzig Watt über vier Lautsprecher füllen ein Wohnzimmer mühelos. Der Klang wird bei höherer Lautstärke nicht dünner, und das Instrument entwickelt eine physische Präsenz, die es eher wie ein echtes Piano klingen lässt als wie ein Lautsprechergehäuse. Wer hauptsächlich über die eingebauten Lautsprecher spielt, wird diesen Unterschied innerhalb weniger Minuten hören. Casio hat eine klare ingenieurtechnische Entscheidung getroffen: in die Klangerfahrung im Raum zu investieren statt in die Verfeinerung der Tastenmechanik oder die Konnektivität. Für ein Heimklavier im Wohnzimmer ist das kein schlechter Tausch.
Die 18 Watt des KDP75 sind für das persönliche Üben in einem ruhigen Raum ausreichend. Bei höheren Lautstärken oder in offenen Raumkonzepten beginnt der Klang dünner zu wirken, als man von einem 1.000 €-Instrument erwarten würde.
Tastengefühl: unterschiedliche Philosophien, keine unterschiedlichen Qualitätsstufen
Beide Pianos verwenden hammergewichtete, abgestufte Mechaniken – schwerer in der Basslage, leichter in der Höhe. Der konkreteste Unterschied liegt in der Oberflächenstruktur. Die weißen Tasten des PX-870 haben eine simulierte Elfenbeinoberfläche – eine leicht matte, griffige Textur, die den Fingerkuppen Halt gibt. Die Tasten des KDP75 sind glattes, mattes Kunststoff. Kawais eigene Produktbeschreibung erkennt das direkt an: die Tasten fühlen sich eher wie polierter Kunststoff als wie Elfenbein an. Bei schnellen Passagen oder wenn die Hände nach langem Spielen warm werden, sorgt die griffige Oberfläche des PX-870 für mehr Spielsicherheit.
Die Mechaniken selbst haben unterschiedliche Charaktere. Kawais Responsive Hammer Compact hat eine fließende, leicht elastische Qualität – die Taste bewegt sich mit Ihnen, statt Ihnen zu widerstehen. Casios Tri-Sensor Scaled Hammer Action II ist sachlicher: zuverlässig, direkt, konsistent. Erfahrene Spieler haben manchmal ausgeprägte Vorlieben zwischen diesen Gefühlen. Anfänger bemerken den Unterschied im ersten Jahr fast nie.
Klangqualität: ein echtes Unentschieden bei häuslichen Lautstärken
Kawais SK-EX-Sampling stammt vom handgefertigten Shigeru-Konzertflügel – warm, vollklingend und ausdrucksstark. Casios AiR Sound Source ist eine ausgereifte Engine mit Saitennachhall-Simulation, die wirklich gut klingt. In einem ruhigen Raum über Kopfhörer würde ein blinder Zuhörer die beiden nicht zuverlässig unterscheiden. Das Kawai hat eine leichte Wärme und Rundheit; das Casio klingt etwas heller und direkter. Das sind Charakterunterschiede, keine Qualitätsunterschiede.
Kopfhörer und Konnektivität
Für das nächtliche Üben hat das KDP75 einen echten Vorteil: Spatial Headphone Sound mit Kopfhörertyp-Anpassung. Sie teilen dem Piano mit, welches Kopfhörermodell Sie verwenden, und es optimiert den EQ entsprechend. Das PX-870 hat ebenfalls eine Kopfhöreroptimierung – es simuliert räumliche Tiefe –, aber das adaptive EQ des Kawai ist ausgereifter. Wer hauptsächlich lautlos über Kopfhörer übt, ist mit dem KDP75 besser bedient.
Bei der Konnektivität macht sich das Erscheinungsjahr 2017 am deutlichsten bemerkbar. Das PX-870 hat weder Bluetooth noch App-Konnektivität. Das KDP75 verbindet sich über USB mit Kawais Virtual Technician-App, mit der Sie Klangcharakter, Saitenresonanz und Anschlagkurven anpassen können. Für Anfänger sind diese Einstellungen unsichtbar. Für zurückkehrende Spieler, die genau wissen, was sie von einem Piano erwarten, ist Kawais tiefere Anpassbarkeit ein echter Vorteil.
Wer sollte was kaufen
Wählen Sie das PX-870, wenn das Piano in einem größeren Raum oder offenem Grundriss stehen wird und Sie hauptsächlich über die Lautsprecher spielen. Das 40-Watt-System ist die definierende Stärke des Casio – der Klang ist reich, die Elfenbein-Tasten sorgen bei langen Spieleinheiten für echten Komfort, und das Instrument konkurriert souverän in der 1.000 €-Klasse.
Wählen Sie das KDP75, wenn Sie hauptsächlich über Kopfhörer üben und die SHS-Kopfhörertyp-Anpassung Ihren Alltag wirklich verbessern würde, oder wenn Sie Vorerfahrung am Piano haben und die Anpassungsoptionen von Virtual Technician nutzen möchten. Der SK-EX-Klang ist das Herzstück des Kawai – warm, ausdrucksstark und am deutlichsten wahrnehmbar, wenn Sie über ein gutes Kopfhörerpaar aufmerksam zuhören.